{"id":5248,"date":"2020-09-11T00:00:48","date_gmt":"2020-09-10T22:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/?p=5248"},"modified":"2022-05-31T22:59:32","modified_gmt":"2022-05-31T20:59:32","slug":"2020","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/2020\/09\/11\/2020\/","title":{"rendered":"Susan Boutwell Gallery, M\u00fcnchen \u2013 Sydney 2020"},"content":{"rendered":"<h2>CHARLOTTE ACKLIN<\/h2>\n<h2><strong>Zwischen den Polen \u2013 im Aufbruch<\/strong><\/h2>\n<h4>11.09.2020 &#8211; 24.10.2020, OPEN art 2020<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Susan Boutwell Gallery, Theresienstr. 48, 80333 M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Mi \u2013 Fr 12 \u2013 18 Uhr, Sa 12 \u2013 15 Uhr und nach Vereinbarung<\/p>\n<div title=\"Page 2\">\n<div>\n<div>\n<p>T 0152 56004062 | contact@susanboutwell.com | <a href=\"https:\/\/susanboutwell.com\/exhibitions\/?idEx=727\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.susanboutwell.com<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<hr \/>\n<\/div>\n<h4><span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"column\">\n<h4>Das Allgemeine im Besonderen<\/h4>\n<p>zur Malerei von Charlotte Acklin<\/p>\n<p><em>von Prof. Bettina Blumenberg<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff;\">____________<\/span><\/p>\n<p>Jenseits der Dingwelt<\/p>\n<p>Die Formate sind die gleichen geblieben, auf ihnen ereignet sich, subtil und vorsichtig, etwas Neues. Wieder gilt, schauen Sie nicht zu schnell, bevor Sie etwas gesehen haben, gesehen haben Sie erst, wenn Sie etwas erkannt haben. Nehmen Sie dies nicht zu schulmeisterlich, denn tats\u00e4chlich ist es ein uralter Lehrsatz, dass Kunst ein Medium der Erkenntnis sei, auch Beuys f\u00fchrte diesen Satz h\u00e4ufig auf den Lippen, wodurch die Behauptung neue Aktualit\u00e4t gewann, was sie nicht weniger schulmeisterlich macht. Ich aber m\u00f6chte diesen Satz als eine Aufforderung zum Gl\u00fcck verstanden wissen, der begl\u00fcckenden Erfahrung n\u00e4mlich, dass Kunst etwas zur Anschauung bringt, was das Alltagsleben einem so nicht bietet und nicht bieten kann. Es geht um nichts Geringeres als Welterkenntnis. Evident ist, dass die Mittel der Malerin dabei andere sind als die der Betrachtenden. Die Malerin hat sich in eine unaufl\u00f6sbare Ambivalenz begeben, das letztlich unabschlie\u00dfbare Ringen um die Malerei selbst, das Ausloten der malerischen M\u00f6glichkeiten jenseits der Repr\u00e4sentation, jenseits der Welt der Dinge, abgesehen vom verwendeten Material wie Farbe, Pigment, Pinsel und anderer Werkzeuge. In Frage steht, und Fragen ist die vornehmste Aufgabe des K\u00fcnstlers, wie die Welt in ihrer Wesentlichkeit zu erkennen sei. Die Dynamik des Vorgangs ist ein unaufh\u00f6rliches Reagieren auf Impulse von au\u00dfen wie auch aus dem Inneren des Bildes. Ersch\u00fctterung, und daf\u00fcr bietet unsere Zeit ausreichend Anl\u00e4sse, \u00e4u\u00dfert sich in einem pl\u00f6tzlichen Vibrieren der Hand, das gesamte Malwerkzeug, das gerade noch auf Ruhe ausgerichtet war, ger\u00e4t f\u00fcr einen Augenblick in eine so nicht gewollte Bewegung und bleibt auf der Leinwand als Momentum der Verst\u00f6rung sichtbar.<\/p>\n<p>Gerade hatte sich die Palette der K\u00fcnstlerin aufgehellt, ins Auge springt ein strahlendes T\u00fcrkis mit vielen gelben Einsch\u00fcben, eine Helligkeit, mit der die Illusion von Spiegelung auf einer klaren Wasserfl\u00e4che evoziert wird, als solle ihre Kunst eine neue Heiterkeit signalisieren, einen Gegenentwurf zur dunklen Farbgebung ihrer fr\u00fcheren Arbeiten. Doch diese Helligkeit wird von den Weltbedingungen und der Wirklichkeit, in der wir leben, nicht best\u00e4tigt. Die momentane D\u00fcsternis der Welt widerstreitet mit den heiteren Impulsen aus dem Inneren, als wolle sich die K\u00fcnstlerin gegen den Einbruch von Negativit\u00e4t und Bedrohlichkeit stemmen. Auf der Leinwand zeigt sich dieser Widerstreit als Irritation, im vorsichtigen Aufbrechen sichtbar angelegter Strukturen. Die Feinnervigkeit der Malerin erweist sich hier und ist ablesbar in jeder weiteren ihrer neuesten Arbeiten: sie setzt sich der unaufl\u00f6slichen Ambivalenz aus, die Mittel der Malerei in Frage zu stellen und sich gleichzeitig ihnen nicht zu entziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Verm\u00f6gen der Metapher<\/p>\n<p>Man darf hier von einer gedanklichen Schachtelung sprechen, sofern Schachtelung in der Zweidimensionalit\u00e4t vorstellbar ist. Aber Metaphern bieten Spielr\u00e4ume, er\u00f6ffnen Bedeutungshorizonte, machen m\u00f6glich, was so zuvor nicht denkbar war. Bei dieser Malerei ist das Sprachbild zwar eigenwillig, aber ergiebig, denn erst im sehenden Erkenntnisprozess zeigt sich seine Brauchbarkeit. Der Betrachterin wird eine Szene in Gestalt einer gemalten Oberfl\u00e4che vor Augen gef\u00fchrt, die eine weitere Szenerie enth\u00e4lt: die Evokation einer Meeresoberfl\u00e4che oder eines t\u00fcrkisfarbenen Sees; die bildliche Vorstellung vom Ausschauhalten nach dem in tiefer Dunkelheit liegenden Horizont oder die eines Blicks in die Tiefen eines Waldes, unter der sich eine Auseinandersetzung mit Farbe, Fl\u00e4che, Raum und Tiefe verbirgt. Genau hier ereignet sich die Schachtelung, wird zum produktiven Prinzip, indem sie zutage f\u00f6rdert, was erst sichtbar werden muss, wie eine Puppe in der Puppe. Es ist eine stetige Verdichtung, die hier jedoch nicht an ihr Ende kommt, eine Verdichtung wie ein Gedicht, das eine potenziell unabschlie\u00dfbare Bedeutung hat. Je mehr sich diese Malerei aus ihrer Anlage in Streifen, vertikal oder horizontal ausgebildet, l\u00f6st und eine \u00fcber die ganze Bildfl\u00e4che sich ausbreitende Dynamik, etwas an manchen Stellen Vibrierendes, die Ordnung Durchkreuzendes zul\u00e4sst, desto mehr wird das Prinzip der Schachtelung evident. Es entsteht ein Echoraum, in den man genau hineinlauschen muss: er resultiert aus dem Klang der Farben. Und es zeigen sich zum ersten Mal St\u00f6rungen im Bild, zugelassen als Erprobung eines neuen Weges. Als sei es pl\u00f6tzlich, ungeplant und unvorhergesehen, erscheint ein Moment der Unruhe auf der Oberfl\u00e4che, man sp\u00fcrt die vibrierende Geste der Hand, die eindeutig nicht rational gesteuert ist, sondern sich im Malprozess ereignet hat.<\/p>\n<p>Paul Klee hat 1925 in seinem <em>P\u00e4dagogischen Skizzenbuch<\/em> einen Gedanken zum Thema &#8220;Kunst im Verh\u00e4ltnis zur Sch\u00f6pfung&#8221; niedergeschrieben, und auch er spricht in Metaphern: sie, die Kunst, verhalte sich gleichnisartig, sagt er und spricht von \u201ebildnerischer Polyphonie\u201c als Gestaltungsprinzip; er meint damit &#8220;die Freimachung der Elemente, die Herstellung der Ruhe durch Bewegungsausgleich, hinter der Vieldeutigkeit steht ein letztes Geheimnis, und das Licht des Intellekts erlischt kl\u00e4glich.&#8221; Genau dieser Augenblick ist es, in dem sich der St\u00f6rfaktor ereignet. Den Betrachtenden aber offenbart sich, dass gerade diese St\u00f6rfaktoren es sind, die das Bild in eine andere Dimension f\u00fchren, die neue Gedanken evozieren und die angesichts des Zustands der Welt plausibel sind: nichts ist glatt, vieles ger\u00e4t aus den Fugen, vieles bereitet Schmerz, l\u00f6st \u00c4ngste aus, Ereignisse werden zur Bedrohung, die zuvor als freiheitliche Grundrechte oder sogar als Bereicherung angesehen wurden,\u00a0altgewohnte Ordnungen geraten ins Wanken oder verlieren ihre Notwendigkeit, vielleicht sogar ihren Sinn. In der K\u00fcnstlerin verdichten sich diese Empfindungen und Erkenntnisse zu einer neuen \u00c4u\u00dferungs-form, sie sp\u00fcrt, dass sich die Einfachheit eines ordnenden Prinzips nicht mehr aufrechterhalten l\u00e4sst. Das Verst\u00f6rende ist in der Welt. Hier erweist sich erneut die Feinnervigkeit dieser Malerei, der alles Aggressive, J\u00e4he, Revoltierende fernliegt, bei der vielmehr jede Geste einerseits genaue Setzung ist, andererseits ein st\u00e4ndiges Reagieren auf die entstandenen Strukturen, die durch die willk\u00fcrlichen St\u00f6rungen, die sich aus dem Inneren der Schaffenden wie auch aus dem Inneren des Werkes, aus tieferen und unerforschten Schichten ihren Weg nach oben bahnen, der Malerei eine neue Dringlichkeit verleihen.<\/p>\n<p><em>Die Autorin lehrt Literatur- und Kunsttheorie an der Akademie der Bildenden K\u00fcnste M\u00fcnchen.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><em>\u00a9 Bettina Blumenberg<\/em><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<p><img \/>\u00a0 \u00a0<img \/><img \/>\u00a0 \u00a0\u00a0<img \/><\/p>\n<h4><span style=\"color: #ffffff;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5321\" src=\"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/200824-flyer-Einladung-ausstell2020_Seite1_437x620.jpg\" alt=\"\" width=\"437\" height=\"620\" srcset=\"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/200824-flyer-Einladung-ausstell2020_Seite1_437x620.jpg 437w, http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/200824-flyer-Einladung-ausstell2020_Seite1_437x620-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/>\u00a0\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5322\" src=\"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/200824-flyer-Einladung-ausstell2020_Seite2_437x620.jpg\" alt=\"\" width=\"437\" height=\"620\" srcset=\"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/200824-flyer-Einladung-ausstell2020_Seite2_437x620.jpg 437w, http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/200824-flyer-Einladung-ausstell2020_Seite2_437x620-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/><\/span><\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CHARLOTTE ACKLIN Zwischen den Polen \u2013 im Aufbruch 11.09.2020 &#8211; 24.10.2020, OPEN art 2020 &nbsp; Susan Boutwell Gallery, Theresienstr. 48, 80333 M\u00fcnchen Mi \u2013 Fr 12 \u2013 18 Uhr, Sa 12 \u2013 15 Uhr und nach Vereinbarung T 0152 56004062 | contact@susanboutwell.com | www.susanboutwell.com &nbsp; _ &nbsp; Das Allgemeine im Besonderen zur Malerei von Charlotte&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5333,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[44],"tags":[],"class_list":["post-5248","post","type-post","status-publish","format-gallery","has-post-thumbnail","hentry","category-ausstellung","post_format-post-format-gallery"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5248"}],"version-history":[{"count":21,"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5355,"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5248\/revisions\/5355"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5333"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.charlotteacklin.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}